“Der Anlass für den Artikel war ein Gesetz, das vor einigen Wochen von Donald Trump unterzeichnet wurde. Dieses Gesetz erzwingt Untersuchungen zu „biologischen Waffenexperimenten mit und im Zusammenhang mit Zecken [und] durch Zecken übertragenen Krankheiten“. Bin ich der Einzige, der nichts davon wusste?

Was ich las, übersteigt jedes vorstellbare Verständnis.
Was sind die Kernpunkte dieses Artikels in „The Spectator“? Es gibt, so die Autorin des Artikels, handfeste Beweise:
Während des Kalten Krieges haben amerikanische Militärs Zecken systematisch in biologische Waffen umgewandelt.
Diese infizierten Zecken wurden – teils absichtlich, teils durch katastrophale Unfälle – auf die ahnungslose Zivilbevölkerung losgelassen.
Die Folgen sind gigantisch und werden von Jahr zu Jahr verheerender.
Heißt das, ich kann nun gegen die Amerikaner klagen?
Kurz gesagt: Biowaffen-Experten haben Zecken gezielt mit Erregern infiziert, um Feinde unsichtbar zu schwächen, zu verstümmeln und zu töten. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Schweizer Wissenschaftler Willy Burgdorfer
www.aerzteblatt.de/archiv/ber…siehe weiter unten
– der spätere Entdecker des Lyme-Bakteriums. In geheimen Laboren in Montana und Maryland testete er Erreger wie Q-Fieber, Tularemie, Leptospirose und andere tödliche Krankheiten – oft Seite an Seite, so die Erzählung, mit ehemaligen Nazi-Wissenschaftlern, die Amerika über „Operation Paperclip“ importiert hatte.”
Deutsches Ärzteblatt
Berühmte Entdecker von Krankheiten: Borrel und Burgdorfer und die Geschichte der „Zeckenchirurgie“
Vom französischen Bakteriologen Amédeé Borrel hat die von Zecken übertragene Borreliose ihren Namen, den Erreger der humanen Infektionskrankheit gefunden aber hat der aus der Schweiz stammende Parasitologe Willy Burgdorfer in den USA.
Zu Tausenden erkranken jährlich Menschen in Europa, den USA und Teilen Asiens an der Lyme-Borreliose, einer von Zecken übertragenen multisystemischen Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Borrelia burgdorferi aus der Gruppe der Spirochäten.
Im Gegensatz zum Parasitologen Willy Burgdorfer hat aber der französische Mikrobiologe Amédeé Borrel selbst nicht zur Entdeckung der Borreliose beigetragen.
Dass diese heute seinen Namen trägt, geht darauf zurück, dass ein niederländischer Parasitologe, der als junger Forscher mit Borrel am Institut Pasteur gearbeitet hatte, ihm zu Ehren 1907 bei der Einteilung von Bakterien eine Gattung Borrelia nannte.
Der 1867 geborene Borrel war ein in Europa bekannter Wissenschaftler. Er hatte an der Universität Montpellier Medizin studiert und promoviert. Danach wirkte er 22 Jahre am Institut Pasteur in Paris, zuletzt als Professor für Mikrobiologie.
Er forschte unter anderem intensiv zur Tuberkulose und suchte nach einem Impfstoff gegen die Beulenpest.
Borrel war visionär, als einer der Ersten erkannte er einen Zusammenhang zwischen Krebs und Viren.
Und vielseitig: Im Ersten Weltkrieg entwickelte er eine der ersten Gasmasken. 1919 übernahm er den Lehrstuhl für Bakteriologie an der Medizinfakultät der Universität Straßburg.
Als Borrel 1936 im Alter von 69 Jahren starb, konnte er nicht ahnen, dass sein Name einmal nicht nur Insidern, sondern einer breiten Öffentlichkeit weit über Europa hinaus bekannt sein würde.
Die Entdeckungsstunde der Borreliose schlug 1981, da arbeitete der 1925 in Basel geborene Wilhelm („Willy“) Burgdorfer schon seit 30 Jahren am Rocky Mountain Laboratory des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Hamilton im US-Bundesstaat Montana. Aufgewachsen in Basel, hatte er an der dortigen Universität Zoologie, Bakteriologie und Parasitologie studiert und war 1951 mit einer Arbeit über die Übertragung des Zeckenrückfallfiebers durch Lederzecken am Schweizer Tropeninstitut promoviert worden.
Im gleichen Jahr wechselte er ans Rocky Mountain Laboratory. Dort forschte er über den Erreger des Rocky-Mountain-Fleckfiebers und andere Zoonosen wie das Colorado-Zeckenfieber, die Übertragung der Pest durch Flöhe und das Gelbfieber-Virus.
Seine Spezialität war die „Zeckenchirurgie“, wie er seine akribische Sektion von Zecken nannte, um die von ihnen verbreiteten Krankheiten zu erkunden.
Als er Rotwild-Zecken von Long Island analysierte und sie nach Rickettsien untersuchte, stieß er unter dem Mikroskop unerwartet auf eine Spezies im Mitteldarm, die er noch vom Studium her kannte: Borrelien, spiralförmige Bakterien aus der Gruppe der Spirochäten.
Er vermutete sogleich, dass diese ursächlich waren für das gehäufte Auftreten von Gelenkentzündungen, die erst wenige Jahre zuvor, 1977, in Lyme im US-Bundesstaat Connecticut erstmals vor allem bei Kindern und Jugendlichen beobachtet worden waren – daher der Name Lyme-Arthritis.
Viele hatten in waldnahen Gebieten gespielt und konnten sich an einen Zeckenbiss vor Krankheitsausbruch erinnern. Weitere Analysen bestätigten Burgdorfers These, der seine Entdeckung 1982 publizierte und damit den Weg bereitete für die Therapie.
Ihm zu Ehren wurde der Erreger beim ersten Lyme Disease Symposium 1983 in Yale Borrelia burgdorferi getauft.
Burgdorfer verbrachte sein ganzes Forscherleben am Rocky Mountain Laboratory. 1957 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an. 1986 ging er in den Ruhestand, forschte aber noch weitere 15 Jahre als Emeritus.
Hochgeehrt starb er 2014 89-jährig an Parkinson.
Sabine Schuchart

