Montag, 16. Februar 2026 – 13:20 Uhr Thomas Kolbe
Und gerade weil wir Patrioten sind und unsere Heimat lieben, werden diese sogenannten Politiker bei uns niemals auch nur die kleinste Unterstützung bekommen. UND Bonn ist uns tausendmal lieber als dieser Stasibau in Berlin!
Als gesellschaftliches Bindemittel und als Verbindung des Einzelnen mit einem höheren Lebenssinn hat der Patriotismus in Deutschland nach Jahrzehnten des Kulturkampfes einen zweifelhaften Ruf erlangt. Die Vereinigte Linke hat es geschafft, diese verbindende und integrierende kulturelle Gärung mit den historischen Katastrophen des Nationalsozialismus, Imperialismus und Chauvinismus zu vermischen und sie letztlich aus dem Selbstverständnis der Nation zu verbannen.
Heute wird der Patriot als sozialer Außenseiter, als Querdenker, als intoleranter Gegner humanistischer Werte betrachtet.
Die Mühlen jener sozialistischen Kulturrevolution, die Ende der 1960er Jahre in Gang gesetzt wurde, haben sich mit Bedacht gedreht. Ein Kartell radikaler Ideologen, opportunistischer Politiker, ein wachsendes akademisches Establishment und die Medien haben es geschafft, das Fundament von Tradition, Religion, Familie und bürgerlicher Ordnung gehörig zu vergiften. Der moderne Patriot macht sich höchst verdächtig, wenn er die Segnungen des Kulturrelativismus und des woken Nihilismus unserer Zeit ablehnt.
Und doch sind die Konservativen die wahren Helden der Stabilität und Kontinuität, die – wie menschliche Wellenbrecher in den heutigen sozialen Stürmen – versuchen, das Schlimmste abzuwehren, das aus den trüben Quellen des Kulturmarxismus auf uns zuströmt. Es war nicht zuletzt das Werk deutscher Politiker, diese zivilisatorische Wende herbeizuführen: weg von der Sozialen Marktwirtschaft und einer bürgerlich geprägten Gesellschaft hin zu einem grünen Klimasozialismus.
Nirgends gedeiht der antibürgerliche Reflex üppiger als im deutschen NGO-Komplex und im schrillen akademischen Flankenkrieg um Cancel Culture, Wokeism und die Säuberung der Sprache – wobei genau jene Begriffe ins Visier genommen werden, die die Tür zu einer kulturbejahenden, traditionsbestätigenden Bildung öffnen würden.
Wie schön klingen doch Worte wie „Vaterland“, „Patriotismus“ und „Liebe zum Vaterland“ heute.
Natürlich würde ein beträchtlicher Teil der politischen Klasse vehement widersprechen. Sie hat ein Geschäftsmodell aus Verachtung für die Nation, globalistischem Moralismus und einer apokalyptischen Klimavision entwickelt und darauf ihre politische Existenz gegründet. Die Verachtung für alles Konservative bildet den Nährboden, auf dem diese Form politischer Macht gedeiht und sich in ihrer eigenen moralischen Echokammer stabilisiert und verstärkt.
Dass deutsche Politiker in dieser selbstverschuldeten Krise nun den einst vergifteten Begriff des „Ortspatriotismus“ in ihrem Abwehrkampf gegen die wirtschaftliche Realität bemühen, erscheint grotesk – und für diejenigen, die in den Wirren des grünen Bürokratismus ihre Existenzgrundlage verloren haben, anmaßend und beleidigend.
Deutschlands Umweltminister Carsten Schneider beendete seinen Interviewmarathon mit einem Vortrag auf der Frankfurter Rundschau. Der Mann hat Nerven. Nach einer Reihe öffentlicher Angriffe seines Lagers gegen Unternehmer scheint es nun an der Zeit für einen Kurswechsel. Moralische Rücksichtnahme steht in Berlin an erster Stelle. Automobilhersteller, so Schneider, sollten Rohstoffe verstärkt aus Deutschland beziehen. Rohstoffe – aus Deutschland?
Er fordert einen „Leitmarkt“ für grünen Stahl – und reizt damit die Realität bis an ihre Grenzen aus, da grüner Stahl derzeit aus den Produktlinien verschwindet, weil er trotz hoher Subventionen weder profitabel noch marktfähig ist.
Von deutschen CEOs könne man sicherlich etwas mehr Standortpatriotismus erwarten, argumentiert Schneider – und schlägt damit einen ähnlichen Ton an wie sein Parteichef und Finanzminister Lars Klingbeil.
Klingbeil schlug im vergangenen Oktober auf einem Kongress der IG BCE in Hannover einen ähnlichen Ton an. Mehr Standortpatriotismus – mehr Wagemut für Deutschland ? Schließlich hat der Staat Steuererleichterungen und Subventionen gewährt, um den Standort und seine Unternehmen zu stärken. Soll der Staat in diesem Drama die Rolle des König Lear spielen? Den Zerstörer des Kapitals, den Steuereintreiber und den Regulierer schlechthin?
Es ist ein zynisches Medienspiel der politischen Klasse mit einer ohnehin schon verunsicherten Bevölkerung. Wenn die Lage brenzlig wird und die Politik an ihre Grenzen stößt, verschmelzen die Strategien: Patriotische Appelle wechseln sich mit Debatten über Ressentiments und Neid ab – emotionale Auslöser, die das Bild des gierigen, heimatlosen Unternehmers aktivieren und es den Politikern ermöglichen, sich aus der Schusslinie zu befreien. Empörung wird zur Mobilisierungsstrategie, moralischer Druck zum Placebo der Medien.
Der Kanzler selbst greift angesichts schlechter Umfragewerte und drohender politischer Turbulenzen nun regelmäßig zu diesem groben Instrument . „Ich bin stolz auf unser Land“, erklärt Friedrich Merz und formt ein kulturell verarmtes und wirtschaftlich angeschlagenes Deutschland zu einem Gemeinschaftserlebnis um, das von der Rhetorik der Erneuerung und Freiheit durchdrungen ist.
Man kann nur spekulieren, welche Gefühle den Kanzler bewegen, wenn er durch die prunkvollen Hallen des Bundeskanzleramtes schreitet. Im Bewusstsein, dass der deutsche Regierungsapparat – sein bürokratisierter Parlamentarismus und die Selbstdarstellung der Exekutive – sich, zumindest in Umfang und architektonischer Inszenierung, langsam aber stetig chinesischen Verhältnissen annähert, mag das wiederholte Echo seiner Stimme in den endlosen Korridoren durchaus einen gewissen, wohlwollenden Stolz auf seine berufliche Leistung hervorrufen.
Im krassen Gegensatz zur bescheidenen Kanzlei der alten Bonner Republik symbolisiert die heutige Bundeskanzlei Etatismus, Distanz und Erhabenheit.
Medienmanöver wie die Forderung nach patriotischer Standortwahl von Unternehmen sind inszenierte Akte demonstrativer Hilflosigkeit. Sie zielen darauf ab, die öffentliche Stimmung zu lenken, die Verantwortungsfrage von den politischen Entscheidungsträgern abzulenken und die Koalition im Vorfeld wichtiger Landtagswahlen zu stabilisieren.
Doch Berlins PR-Berater könnten sich irren. Friedrich Merz und seine Kollegen werden feststellen, dass Patriotismus nicht per Kanzleramtsbeschluss aktiviert werden kann. Sie werden womöglich auch erkennen, dass nur wenige Deutsche ohne äußeren Druck einem Aufruf folgen werden, ein politisches System zu verteidigen, das – nach Jahren der Massenmigration, des kulturellen Verfalls und der ideologischen Umstrukturierung – seine Bürger nun um die Unterstützung weiterer ideologisch aufgeladener Projekte bittet.
Was Unternehmer betrifft, so scheinen nur noch wenige darauf zu vertrauen, dass die Politik eine ideologisch verzerrte Situation rational lösen kann. Der Patriotismus, einst der letzte überzeugende Anker, der Unternehmen mit ihrer Heimat verband, ist den Deutschen in einem jahrzehntelangen Fegefeuer progressiver Selbstgerechtigkeit entrissen worden. Fast überall findet man mittlerweile etwas Besseres als den deutschen Konkurs.

