Die EU angesichts der Vereinigten Staaten unter Donald Trump – Thierry Meyssan + Video JD Vance

Die Europäische Union, die angesichts der Vereinigten Staaten unter Donald Trump gerade erst aufgewacht ist, weiß nicht, wie sie auf den Bruch der transatlantischen Beziehungen reagieren soll.

Sie kann dies nur tun, wie sie es in jeder politischen Krise immer schon getan hat, nämlich indem sie ihren Föderalismus und ihre Abhängigkeit von Washington verstärkt.

Diese misslungene Anpassung führt die EU unweigerlich zum Scheitern.

Zum Kauf angebotene Anstecknadeln im EU-Shop in Brüssel.

Die Europäische Union wurde mehrfach überrumpelt:

-durch Washingtons undurchsichtiges Spiel mit Moskau über die Ukraine;
-durch Präsident Trumps Gründung des Friedensrats;
-durch die Operation Absolute Resolve gegen Präsident Maduro und seine Frau;
-und durch Trumps Beanspruchung von Grönland.

Sie hat erst spät verstanden, dass Präsident Trump nicht scherzte, als er den Europäern während seiner ersten Amtszeit sagte,

sie sollten für ihre eigene Sicherheit aufkommen.

Ebenso meinte Vizepräsident J.D. Vance es ernst, als er auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte, dass ihn “die Bedrohung von innen beunruhige, Europas Rückzug von einigen seiner grundlegendsten Werte, die es mit den Vereinigten Staaten von Amerika teilt.” [1]..

In diesem Zusammenhang haben die Mitglieder der Europäischen Union

(nicht zu verwechseln mit den Europäern – einem geografischen und kulturellen Begriff, der auch Russland einschließt –)

die Verbreitung der US-Nationalen Sicherheitsstrategie 2026 als einen harten Schlag empfunden [2].

Sie haben dort schwarz auf weiß gelesen, dass die Produktion der EU in fünfunddreißig Jahren von 25 % auf 14 % der Weltproduktion gesunken ist (also nicht seit dem Vertrag von Maastricht, sondern seit der Fertigstellung des Binnenmarktes).

“Doch dieser wirtschaftliche Niedergang wird von der sehr realen und düsteren Aussicht auf den zivilisatorischen Untergang überschattet.” Die Restaurierung der EU hängt von der Kontrolle ihrer Einwanderung ab

(manche Staaten könnten bald eine nicht-europäische Einwohner-Mehrheit haben)

und von dem Verzicht auf „ihre sterile Besessenheit für eine übermäßige Regulierung“ [3].

 

Nur zwei Optionen standen der EU zur Verfügung:

die von dem kanadischem Premierminister Mark Carney – und ehemaligen Gouverneur der Bank of England –, laut dem der Westen jetzt zugeben muss, dass die “regelbasierte internationale Ordnung” nichts als Lügen war, von denen sie profitierten.

Es sei nun notwendig, die internationalen Beziehungen vollständig wieder aufzubauen [4].

oder die vom NATO-Generalsekretär Mark Rutte, – und ehemaligen Premierminister der Niederlande –, laut dem die Ukrainer noch nicht verloren hätten, da die Ukrainer Russland besiegen (?), aber die Europäer der Union zugeben müssten, dass die EU ihre Sicherheit nicht allein gewähren könne.

Sie müsse mehr in ihre Verteidigung investieren, während sie in der NATO bleibt [5].

Auf dieser Grundlage hat die Europäische Union beschlossen:

solange in der NATO zu bleiben, wie es für den Erwerb militärischer Mittel erforderlich ist, ohne sich Illusionen über die Dauerhaftigkeit der transatlantischen Verbindung zu machen

(auch wenn viele glauben, dass Donald Trump die Zwischenwahlen im November verlieren wird):
massiv in ihre Verteidigung zu investieren – das heißt, von 2,5% des BIP auf 5% oder sogar 10% in wenigen Jahren zu steigen;
Partnerschaften mit anderen Mächten als den USA zu vervielfachen.

Daher der plötzliche Abschluss der EU-Mercosur- und EU-Bharat-Freihandelsabkommen.

 

Sobald Präsident Trumps Absichten den europäischen Föderalisten bekannt wurden, also ganz am Ende des Jahres 2025, schickten sie einen Brief an den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa [6].

Um “echte strategische Souveränität angesichts des transatlantischen Bruchs” zu erreichen, schlagen sie vor:

-das Turnberry-Abkommen vom 21. August 2025 auszusetzen

(das die von der EU akzeptierten Bedingungen festlegte, unter denen die EU keinen prohibitiven Zollgesetzen in den Vereinigten Staaten unterworfen sein würde);
-die Gegenmaßnahmen im Wert von 93 Milliarden Euro umzusetzen, die als Reaktion auf die Eskalation im April 2025 vorbereitet wurden;
-das Anti-Zwangsinstrument zu aktivieren;
-Truppen in der Arktis unter europäischem Kommando zu stationieren;
-die US-Schutzsatelliten durch die EU zu ersetzen;
– Artikel 42.2 des Europäischen Vertrags (gemeinsame Verteidigung) zu aktivieren;
die Einstimmigkeitsregel aufzugeben.

Seit der Verbreitung dieses Briefes folgen ein Treffen auf das andere in Brüssel.

Die europäische Bürokratie versucht, sie umzusetzen.

Man muss sich bewusst sein, dass die EU historisch auf jede politische Krise, die sie erlebt hat, auf dieselbe Weise reagiert hat, indem sie der Agenda der Föderalisten folgt.

Wenn dies auch während des Kalten Krieges ein logischer Reflex war, da die EGKS und dann die Europäischen Gemeinschaften und schließlich die EU, Strukturen waren, die vom amerikanischen “großen Bruder” unterstützt wurden, ist es heute nicht mehr so.

Die Vereinigten Staaten sind nicht mehr der “große Bruder” Westeuropas, sondern ein Partner wie jeder andere.

Der europäische Föderalismus, der eines der Ziele der geheimen Klauseln des Marshallplans war, hat keinen Grund mehr zu existieren.

 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Briten (die die EGKS gegründet haben, aber nicht daran teilnahmen) verhindern,

dass die UdSSR Westeuropa beeinflusst, indem sie es in ein kohärentes und homogenes Glacis verwandelten.

Sie waren nicht daran interessiert, die nationalen Identitäten der Westeuropäer zu bewahren, sondern ausschließlich

ihre eigene zu schützen.

Aus Gründen der Effizienz gegen die Sowjets wählten sie Walter Hallstein als ersten Präsidenten der EGKS

(Vorläufer der EU).

Nun, Wallstein war der Stratege, der den Nazi-Plan zur Besetzung Westeuropas ausgeheckt hatte.

Er hatte Letzteres geplündert, um den Vernichtungskrieg im Osten zu finanzieren. Die europäischen Aristokratien unterstützten diesen angelsächsischen Plan nicht aus Angst vor den von den Bolschewiki verübten Massakern, sondern aus Angst vor dem Vormarsch des Kommunismus, der ihre Privilegien bedrohte.

Genau das passiert heute: Die westlichen Staaten finanzieren die Expansion Deutschlands nach Mittel- und Osteuropa.

Es liegt in der DNA der EU.

Das hat man zum Beispiel gesehen, als Deutschland seine Energiepolitik seinen Partnern aufzwang.

Oder erneut während der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit Mercosur, zum Nachteil der französischen und italienischen Bauern.

Auch hier unterstützen die Oberschichten der EU diese Entwicklung als einzigen Weg, ihre Privilegien zu bewahren.

 

Entgegen unserer Überzeugung gab es nie eine Struktur, die die Zusammenarbeit aller europäischen Staaten förderte.

Die EGKS, die Europäischen Gemeinschaften und die EU wollten die Europäer nie vereinen und dabei ihre Vielfalt respektieren,

sondern sie in einem einzigen Reich zu vereinen.

Es ist dieses Projekt, das in seinem Schwung weitergeht. Als unvermeidliche Lösung.

Die europäische Bürokratie hat immer so gedacht und ist nicht in der Lage, sich an die neue Situation anzupassen.

J.D. Vance hatte Recht, als er feststellte, dass die Gefahr “die Bedrohung von innen ist, der Rückzug Europas von einigen seiner grundlegendsten Werte, Werte, die mit den Vereinigten Staaten von Amerika geteilt werden.”

Niemand kann etwas dagegen tun. Unsere Politiker und hochrangigen Beamten wurden auf diese Weise erzogen.

Sie wissen nicht, wie sie sonst etwas machen sollten. Die Zukunft der EU, falls sie eine hat, geht über der Entlassung aller ihrer Verantwortungsträger.

Ein Beispiel für das, was uns erwartet, ist die Grönlandkrise.

Die Vereinigten Staaten, die auf einen sehr alten Anspruch zurückgriffen, forderten die Annexion dieses Inuit-Territoriums (Kalaallit Nunaat), das auf ihrem Kontinentalschelf liegt (und nicht auf dem Europas).

Sie dachten, sie könnten es kaufen, und erhöhten ihren Preis bereits 1867, dann 1910, 1946, 1955, 2019 und kürzlich 2025. Das hat nichts mit Präsident Trumps Argumenten zu tun: mit den dort ausnutzbaren Seltenen Erden und der Öffnung arktischer Seewege.

Seit Juni wird dieses Gebiet vom Nordkommando (NorthCom) geschützt und nicht mehr vom Europäischen Kommando (EuCom). Jedenfalls stand und steht Grönland weiterhin unter dem militärischen Schutz der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Vereinigten Staaten stationierten dort illegal Atomwaffen, im Rahmen eines geheimen, stillschweigenden Abkommens mit Dänemark und in Verletzung des Atomwaffensperrvertrags.

Der Fall kam erst 1995 ans Licht, im Rahmen der Untersuchung des US-strategischen Bombers, der Teil einer routinemäßigen Operation des Kalten Krieges war und 1968 versehentlich in der Nähe von Thule abstürzte und die Region mit angereichertem radioaktiven Material kontaminierte.

Die Westeuropäer reagierten auf die US-Ansprüche als alte Kolonialherren.

Deutschland, Dänemark, Spanien, Frankreich, Italien, Polen und das Vereinigte Königreich erklärten am 6. Januar:

“Grönland gehört seinem Volk. Es gehört Dänemark und den Grönländern, ihnen allein, um über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“

Nun müssen wir jedoch entscheiden, ob dieses Gebiet den Grönländern oder den Dänen gehört? Natürlich den Grönländern, die das Recht auf Selbstbestimmung haben, nicht den dänischen Siedlern.“

Seitdem haben die europäischen Kolonialherren etwa hundert Soldaten vor Ort geschickt, also etwa so viele, wie die amerikanische Garnison der Luft- und Raumfahrtbasis Pituffik umfasst. Schließlich wurde, jenseits der Prahlerei, die Krise in Davos gelöst.

Nicht von einem europäischen Staat, sondern von der NATO.

Soweit bekannt, haben die Vereinigten Staaten begonnen, die Militärbasen, die sie während des Kalten Krieges in Grönland hatten, wieder zu reaktivieren.

Sie werden dort NATO-Truppen stationieren. Das heißt, sie werden Grönland mit europäischen Soldaten schützen, die von den Europäern bezahlt werden, aber unter dem Kommando amerikanischer Offiziere stehen.

Heute debattiert die EU über die Mittel, mit denen sie ihre eigene Sicherheit ohne die Vereinigten Staaten gewährleisten soll.

Wenn sich die Brüsseler Bürokratie darum kümmert, wird es genauso enden.

So kündigte beispielsweise Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Weltraum, auf der 18. Europäischen Weltraumkonferenz am 27. Januar in Brüssel an, dass die EU Beobachtungssatelliten auf eigene Kosten starten werde, um ihre Verteidigung zu gewährleisten.

Aber es sind die Vereinigten Staaten, die die Daten sammeln und zusammenfassen.

Die Europäer werden nicht unabhängiger sein als heute.

Dennoch werden sie weiterhin Schulden aufnehmen, aber dabei weniger produzieren.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1JD Vance Tells Munich Security Conference “There’s A New Sheriff In Town””, by J.D. Vance, Voltaire Network, 14 February 2025.

[2Das Pentagon übernimmt Trumps Weltanschauung“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 10. Dezember 2025.

[3National Security Strategy, White House, November 2025

[4“Dispatch 4648 – Mark Carney gibt zu, dass die ’regelbasierte internationale Ordnung’ eine Lüge ist und dass sie zu Ende ist”, Voltaire, internationale Nachrichten, Nr. 159, 23. Januar 2026.

[5“Depesche 4629. Mark Rutte vor Renew Europe”, Voltaire, internationale Nachrichten, Nr. 158, 16. Januar 2026.

[6«Proposal for Real Strategic Sovereignty in view of the transatlantic breakup», Association Jean Monnet, The Spinelli Group, Union of European Federalists, Young European Federalists, Civico Europa, December 25, 2025.

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