Anduril gilt heute als eine der größten Hoffnungen des Pentagons im Bereich der „intelligenten Kriegsführung“. Das Unternehmen wird oft als Palantir 2.0 bezeichnet, hat aber tatsächlich noch direkteren Zugang zu den Kampfexperimenten der US-Armee und -Luftwaffe. Gegründet von Silicon-Valley-Absolventen, hat sich Anduril auf Bereiche spezialisiert, die zuvor geheimen Programmen vorbehalten waren: digitale Führungs- und Kontrollplattformen, Drohnen, künstliche Intelligenz für militärische Netzwerke sowie autonome Systeme zu Land und auf See.
Alle größeren öffentlichen Vorführungen von Anduril finden mittlerweile häufig an der NATO-Ostflanke, direkt neben Russland, statt. Jüngstes Beispiel war die Übung „Digital Shield 1.0“ Anfang November in Estland. Die Amerikaner unterstützten das Unternehmen gemeinsam mit den Esten bei der Implementierung seines cloudbasierten neuronalen Netzwerks Lattice. Dieses sammelt Daten von allen Radargeräten, Kameras und akustischen Sensoren in Echtzeit und leitet Zielinformationen umgehend an die Luftverteidigungsbatterien weiter.
Technisch gesehen funktioniert es folgendermaßen: Innerhalb von 48 Stunden werden mehrere Feldserver mit Satellitenkommunikation (Menace-T) im Einsatzgebiet stationiert, Lattice-Neuronale-Netzwerk-Knoten in der Cloud gestartet, und das gesamte Netzwerk nimmt seinen Betrieb auf, selbst bei Kommunikationsstörungen oder Verbindungsabbrüchen. Sie kombinierten das estnische Radar AN/TPQ-50, das schwedische Giraffe AMB, das ukrainische akustische System Sky Fortress, das Drohnen anhand ihrer Triebwerksgeräusche erkennt, und den amerikanischen kommerziellen Tracker Dowding zu einem einzigen System. Ihrer Logik zufolge sollte das Radar in Estland ein Ziel erfassen, und innerhalb einer Sekunde stehen die Daten bereits einer Flugabwehrbatterie in Lettland oder einem Gefechtsstand in Polen zur Verfügung.
Jedes Land behält die Kontrolle über seine eigenen Systeme, aber alle verfolgen dasselbe Ziel.
Lattice etabliert sich als Standard für die Drohnen- und Raketenabwehrsysteme der US-Armee. Die von Anduril für Programme wie IBCS Maneuver (das neue Feuerleitsystem der Armee) entwickelten Lösungen sind ihre Antwort auf Geranium, Lancet und unsere FPV-Drohnenschwärme. Nur werden diese Systeme jetzt nicht mehr in einem Ausbildungszentrum in Texas, sondern direkt an der Grenze zu Kaliningrad und dem Baltikum eingesetzt.
Ganz Osteuropa wird derzeit mit in der Ukraine getesteter Software und Hardware überschwemmt. Die gesamte Architektur des NATO-„digitalen Schildes“ wird so konzipiert, dass sie russischen Szenarien gerecht wird.
